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03.03.2010 -  Milchleistung steigt, Arbeitsfreude steigt: Melken ohne Stress

Wird mit Ruhe, Routine und in gewohnter Reihenfolge gemolken, so steigert das die Arbeitsfreude des Melkers und die Milchleistung der Tiere. Stehen die Kühe beim Melken oder auf dem Weg zum Melkstand unter Stress, so bremst dieser den Milchfluss. Auch in einem zu kleinen Warteraum kommt bei den Rindern Stress auf. Als Faustzahl gilt ein Platzbedarf von 1,5 bis 1,8 m² je Kuh. Zweite Voraussetzung für einen harmonischen Milchentzug ist ein rutschfester Boden, und zwar sowohl im Warteraum als auch im Melkstand und auf den Treibwegen. Da Kühe lieber ins Licht als in die Dunkelheit laufen, tut eine ausreichende Beleuchtung mit 200 bis 500 Lux je nach Arbeitsbereich ihr Übriges hinzu. Getrieben werden Kühe mit Ruhe; das erleichtert Tier und Mensch die Arbeit. Oft bringt das einfache Reinigen der Lampen schon ein enormes Plus an Helligkeit.

Temperaturen jenseits der 20°-Grenze führen bei Kühen bereits zu leichtem Stress und Milchrückgang. „Eine gute Belüftung ist nicht nur zur Abführung der Wärme nötig, sondern auch zur Reduzierung der Luftfeuchte, die 75 % möglichst nicht überschreiten sollte.“ Glatte Böden können durch Epoxidharz wieder griffig gemacht werden; auch der Einsatz von Gummimatten oder das Aufrauen des Betonbodens mit einer Fräse sind denkbar. Die Kosten für das Fräsen bewegen sich zwischen 18 bis 20 €/m². Damit stellt das Fräsen die günstigste, aber nicht die dauerhafteste Lösung dar. Ein Geräuschpegel von unter 65 Dezibel im Melkstand wird von den Kühen als angenehm empfunden.

Eine ausreichende Stimulation von Hand ist auch bei moderner Melktechnik unumgänglich, wenn man lange Nachmelkzeiten vermeiden will. „Eine nicht ausreichende Vorstimulation führt aufgrund fraktionierter Oxytocinabgabe zum geringeren Milchfluss, zu Bimodalitäten der Milchflusskurve einschließlich Blindmelken, zur Erhöhung der Nachgemelksmenge und -dauer sowie zur Verringerung des Gesamtgemelks und zur Erhöhung der Melkzeit.“ Wird nicht ausreichend stimuliert, liegt das durchschnittliche Nachgemelk bei 0,8 kg/Kuh. Wird dagegen gut vorgemolken, reduziert sich das Nachgemelk auf 0,1 kg. Der Zeitaufwand verringert sich von 1,5 Min. für das maschinelle Nachmelken auf 0,4 Min. „Die kürzere Zeit für das Nachmelken und die Melkdauer der Kuh wirken sich positiv auf die Zitzenkondition, das Wohlbefinden und die Tiergesundheit aus.“ Maschinen mit Abnahmeautomatik sind regelmäßig auf ihren Schwellenwert oder die Verzögerungsschaltung zu kontrollieren. Es empfiehlt sich, die komplette Melkanlage jedes Jahr einmal vom LKV durchchecken zu lassen.

„Mit Ruhe und Routine melken“ von Dr. Norbert Kanswohl und Dr. Mathias Schlegel in Bauernzeitung 1/2010, S. 34 – 35