04.05.2012 - Ebermast: Nur wer wiegt, siegt
Hans-Jürgen Eynck von der Firma Tönnies erklärte auf einer Infoveranstaltung der Deutschen Breeders/Fenker&Hellenbusch, Osnabrück, die Besonderheiten der Ebermast: Die Voraussetzungen, um bei Tönnies liefern zu können, seien eine einmalige Registrierung und der Verzicht auf die Immunokastration. Außerdem dürfe der Teil an gelieferten Ebern 50% der Gesamtlieferung nicht überschreiten und um besser planen zu können sei eine ungefähre Angabe der Anzahl der Eber ein paar Tage vorher erwünscht.
Der für Eber typische Geruch trete nur bei 3 bis 5% der Tiere auf und ist durch Kochen, Räuchern und Pökeln leicht zu neutralisieren, sodass die Vermarktung des Fleisches kein Problem darstelle. Kochschinken mit lediglich 1% Fett zum Beispiel sei nur mit Eberfleisch herzustellen. Um trotzdem den spezifischen Geruch zu vermeiden, könne einiges getan werden. Zum einen begünstige nämlich nicht nur das Alter, sondern auch die Haltung auf Teilspaltenboden die Geruchbildung und auch Stress bei Haltung, Transport oder Schlachtung führten zu einer erhöhten Hormonausschüttung und somit zur Ausbildung des Ebergeruchs.
Die Bezahlung bei Tönnies soll ab 1. Juli dieses Jahres nach einer modifizierten Maske erfolgen. Ab Oktober erhalte man für die Nachkommen spezieller Eber, die deutlich weniger Geruchsabweichungen vererben, 1 € Prämie. „So will man ein Signal an die Zuchtunternehmer geben, stärker in diese Richtung zu arbeiten.“ Ein Problem bestehe darin, dass die FOM-Geräte nur für Sauenschweine und Kastrate genehmigt seien und auch die AutoFOM-Schätzformel auf weibliche Tiere und Börgen ausgerichtet ist.
Um das optimale Schlachtgewicht der Eber von 95 kg zu erreichen, seien regelmäßige Probewiegungen erforderlich, zumal „die Tageszunahmen gegen Ende der Mast noch einmal steigen und die Tiere optisch häufig leichter erscheinen.“ Ein großer Vorteil der Ebermast liege in der schnelleren Gewichtszunahme, sodass Eber im Durchschnitt ihr optimales Schlachtgewicht fast zwei Wochen eher erreichten als weibliche Mastschweine und so ökonomisch interessant seien, da schneller wieder Platz für neue Masttiere frei werde. Die meisten Masteber stammten aus Betrieben mit geschlossenen Systemen. Bis auch für Eber eine eigene Schätzformel erarbeitet sei, würden wohl noch einige Jahre Arbeit notwendig sein.
„Wiegen noch wichtiger“ von Steffen Bach in Land & Forst 7/2012, S. 36


