23.06.2010 - So treten Coli-Probleme erst gar nicht auf
Die Besten trifft es zuerst. Besonders anfällig für die Ödemkrankheit, oft begleitet von Durchfall, sind die kräftigsten Ferkel eines Wurfes kurz nach dem Absetzen. „Erkrankte Ferkel sterben meist“ oder bleiben in ihrer Entwicklung zurück. Ursache des Übels sind Coli-Keime. Doch diesen sind weder Ferkel noch Sauenhalter hilflos ausgesetzt. Bevor abgesetzte Ferkel erkranken und behandelt werden müssen, kann einiges getan werden, um Coli-Probleme erst gar nicht auftreten zu lassen:
- Wegbereiter Numero 1 für Coli-Durchfälle oder Ödemkrankheit ist die stark rückläufige Futteraufnahme der Ferkel nach dem Absetzen. Das schädigt die Darmzotten; der Darm kann Futter und Wasser weniger gut aufnehmen und verarbeiten. Daher gilt: Fütterungsmaßnahmen sind die beste Vorbeuge gegen Coli-Bakterien.
- Werden die Ferkel schon kurz vor dem Absetzen zugefüttert, kann sich das Enzymsystem und die Darmflora langsam auf das neue Futter umstellen.
- Ferkelfutter muss schmackhaft sein, wenn die Ferkel es gerne und in ausreichender Menge aufnehmen sollen. „Passen Sie außerdem die Zusammensetzung des Futters an die Enzymaktivität an. Denn nur so lässt sich eine hohe Anflutung unverdauter Stärke im hinteren Dünndarmabschnitt vermeiden, die für die Coli-Bakterien eine ideale Nahrungsgrundlage wäre.“
- Das Futter sollte nicht mehr als 18 % Rohprotein enthalten und im Magen schnell durchsäuert werden können. Zur Umstellung den Energiegehalt etwas reduzieren.
- Organische Säuren fördern die Durchsäuerung des Futters im Magen des Ferkels.
- Nach dem Absetzen besser mehrmals am Tag kleine Mengen Futter in breiiger Konsistenz verabreichen. Dazu die aus der Abferkelbucht bereits bekannten Anfütterungsschalen verwenden.
- „Als Absetzmischung hat sich mehlförmiges Futter bewährt, denn es lässt sich besser einspeicheln und führt zu einer schnelleren Durchsäuerung im Magen.“ Dieses Futter sollte den Ferkeln bereits als Beifutter in der Abferkelbucht bekannt sein. Der Wechsel von einer Futtersorte zur anderen erfolgt durch Verschneiden der beiden Futter.
- Ohne sauberes Trinkwasser läuft bei den Ferkeln nichts. Je mehr Wasser die Ferkel aufnehmen, desto höher ihr Futterverzehr. Tränkenippel sollten im Flatdeck eine Durchflussrate von 0,5 bis 0,8 l/Min. haben und höhenverstellbar sein.
- Wenn möglich, bleiben die abgesetzten Ferkel noch zwei Tage in der Abferkelbucht. Wollen Sie die Abferkelplätze nicht blockieren, achten Sie darauf, dass die Würfe zusammenbleiben. Das reduziert das Auftreten von Rangkämpfen.
- Die Gruppen sollten so zusammengestellt werden, dass die Ferkel in etwa gleich groß sind. „Die kleinsten Ferkel sortieren Sie besser von vornherein in eine separate Bucht.“
- Das Flatdeck sollte eine Raumtemperatur von mindestens 28 °C beim Einstallen der Ferkel aufweisen. Ob die Temperatur stimmt, lässt sich am Liegeverhalten der Ferkel ablesen: Liegen die Ferkel nebeneinander, ist ihnen warm genug; liegen sie übereinander, wird die Raumtemperatur erhöht.
- Ferkel, die in den ersten Tagen nach der Umstallung ins Flatdeck Futter und Wasser verweigern, sind besonders gefährdet. Sie werden in eine separate Bucht gestallt, die über eine zusätzliche Wärmequelle verfügt und eine intensive Betreuung ermöglicht.
„Beugen Sie Coli-Problemen gezielt vor“ in top agrar 6/2010, S. S6 – S9


