30.07.2010 - Zehn-Punkte-Plan für Spitzen-Tageszunahmen
Eine in den Niederlanden vom Tierforschungsinstitut der Universität Wageningen durchgeführte Untersuchung in sechs Schweinemastbetrieben mit Spitzenleistungen (867 g Tageszunahmen, 1: 2,45 Futterverwertung) brachte es zu Tage: Spitzenbetriebe arbeiten in bestimmten Bereichen nicht nur gut, sondern besser.
„Das Forschungsteam stellte auch klar, dass es sich meist um eine Kombination verschiedener Managementbereiche handelt, die letztlich zum Erfolg führt.“ Auch wenn die sechs Betriebe keiner repräsentativen Umfrage gleichen, wird deutlich, worauf die Betriebsleiter achten:
1. Bei den sechs Betrieben stand an erster Stelle ein striktes Hygienemanagement. Das Hygienemanagement bestimmt den Gesundheitsstatus und das Leistungsniveau der Mastscheine. Ein konsequentes Rein-Raus-Verfahren mit gründlicher Reinigung und Desinfektion der Abteile sind Pflicht.“Alle Mäster legen viel Wert auf diesen Punkt und weisen ihre Mitarbeiter zur Konsequenz an,
2. Es wird gegen Mykoplasmen geimpft. Im Gegensatz zu Deutschland ist die Mykoplasmenimpfung kein Standard. Alle sechs Betriebe arbeiten nach einem festen Entwurmungsplan. Die Entwurmung mindert den Anteil verworfener Lebern am Schlachthof deutlich.
3. Alle sechs Spitzenlandwirte setzen auf die Flüssigfütterung am Langtrog, wobei alle Tiere gleichzeitig fressen. Fünf Betriebe füttern dreimal täglich.
4. Es werden zusätzlich einzelne Rohkomponenten oder fermentierte Nebenprodukte eingesetzt. „Aus verschiedenen Studien wird deutlich, dass Schweine, die fermentierte, flüssige Nebenprodukte erhalten, schneller wachsen als Tiere, die mit konventionellen Rationen oder mit Trockenfutter versorgt werden.“ Ob die hohe Futteraufnahme auf das 1:1-Verhältnis von Tier und Fressplatz oder auf die Flüssigfütterung plus fermentierten Nebenprodukten zurückzuführen ist, bleibt offen.
5. Die Qualität muss stimmen: Alle eingesetzten Futtermittel und Nebenprodukte sind von hoher Qualität und ganzjährig verfügbar. Das trifft in besonderer Weise auf die Eiweißkomponenten zu. „Für eine optimale Ausschöpfung der Wachstumskapazität in der Vormast ist es daher unbedingt notwendig, den jungen Tieren ausreichend Energie- und dünndarmverdauliche Aminosäuren anzubieten und die Rationsgestaltung am möglichen Leistungspotential in dieser Phase auszurichten.“
6. Genügend Platz: In den untersuchten Betrieben stand der deutlichen Mehrzahl der Schweine ein Platzangebot von 0,8 m²/Schwein zur Verfügung. Dieser Platzbedarf ist im Gewichtsabschnitt 85 bis 110 kg der Schweine für Neubauten vorgeschrieben. Bisher galten 0,7 m² als verbindlich. „Aus verschiedenen Untersuchungen geht hervor, dass der Effekt auf die biologischen Leistungen bei einer Ausdehnung der Fläche von 0,7 auf 1,0 m² /Schwein nur gering ist.
7. Kleine Gruppengrößen von bis zu 21 Tieren je Bucht. werden bevorzugt. Es konnte nachgewiesen werden, dass die Tageszunahmen bei einer Gruppengröße von zwölf Tieren 40 g höher waren als in der Großgruppe. Daneben scheit in kleineren Gruppen auch ein tendenziell höherer Magerfleischanteil möglich zu sein. Unter dem Strich führen die in Großgruppen eingesparten Baukosten ökonomisch gesehen nicht zwangsläufig zum Erfolg. Oft hinken Großgruppen den in kleineren Einheiten erzielten Leistungen deutlich hinterher, so dass der Vorteil der reduzierten Baukosten (mehr als) aufgezehrt wird.
8. Vorläufer werden gezielt aus den Gruppen selektiert und verkauft. Davon profitieren die verbleibenden Schweine. Kümmerer und Nachzügler werden generell in einem Resteabteil und nie in andere Gruppen zurückgestallt.
9. Schwarz-Weiß-Bereiche sorgen für externe Biosicherheit. Um das Einschleppen von Krankheitserregern in den Bestand zu vermeiden, sollten eine Besucherdusche sowie betriebseigene Kleidung und Stiefel für Tierärzte, Berater oder Techniker, bereitstehen, wenn diese den Stall betreten wollen. Auch beim Wechsel von einer Altersgruppe in die nächste sorgen Kleider- und Stiefelwechsel für interne Biosicherheit. Generell hat es sich bewährt, den Stallrundgang so zu organisieren, dass man von „jung“ nach „alt“ geht. Im Bereich Biosicherheit gab es bei den sechs Vorzeigebetrieben noch „Sicherheitslücken“, die geschlossen werden können.
10. Die Qualität der Ferkel und ihr Gesundheitsstatus sind weitere Faktoren auf dem Weg zu guten Leistungen. In den untersuchten Betrieben wurde diesem Punkt zu wenig Bedeutung geschenkt. Es gab Gewichtsunterschiede von bis zu 5 kg Lebendgewicht bei den angelieferten Läufern. Ferkel mit hohem Geburtsgewicht sind meist gesünder und wachsen schneller. Das zahlt sich in der Mast auf Heller und Pfennig aus.
„1000 Gramm pro Tag sind machbar“ von rs in dlz primus Schwein 6/2010, S. 34 – 37



