07.02.2012 - Futtereffizienz statt Futterpreise als Maßstab nehmen
Wie teuer ist das Futter für die Gewinnung von 1 kg (ECM) Milch? Auswertungen in Schleswig-Holstein gehen von 18,22 Cent/kg ECM an Futterkosten aus. Die Spannweite reicht von 15,94 Cent bis 21,24 Cent. Berücksichtigt man, dass die Kosten für das Futter rund die Hälfte der Aufwendungen für die Milchproduktion ausmachen, wird deutlich, wie wichtig es ist, aus dem Futter möglichst viel Milch zu produzieren. Nur dann ist eine ökonomische Milchviehhaltung möglich. „Das Motto lautet: Aus Gutem viel Milch machen.“
Fütterungseffizienz ist definiert als ECM in kg/Kuh und Tag geteilt durch die Trockenmasseaufnahme/Kuh/Tag. Daraus folgt: „Bei höherer Milchleistung darf das Futter (die Nährstoffeinheit im Futter) durchaus teurer sein, ohne dass die Futterkosten erhöht werden.“ Nicht immer ist die gewünschte hohe TS-Aufnahme der Kuh tatsächlich rentabel; bleibt eine entsprechende Steigerung der Milchleistung oder des Gesundheitsstatus aus, wird die höhere TM-Aufnahme zum Bumerang: Die Kosten je produziertem kg ECM steigen. Je nachdem in welchem Laktationsstadium sich ein Tier befindet, ändert sich die Futtereffizienz. So weisen Kühe in der Frühlaktation beispielsweise bei einer Leistung von 40 kg Milch eine TM-Aufnahme von lediglich 20 kg auf, was bei der Futtereffizienz den theoretischen „Traumwert“ von 2,0 ergeben würde. Allerdings beruht dieser Wert auf der Tatsache, dass die Kuh viel Energie durch das Einschmelzen von Körperfett gewinnt. Diese Energie stammt nicht aus dem Futter; die Energiedepots müssen später wieder aufgefüllt werden, wenn der Stoffwechsel in gelenkten Bahnen bleiben soll. „Als anzustrebender Wert über alle Altersgruppen und Laktationsstadien bei den laktierenden Kühen hinweg gilt eine Futtereffizienz von 1,5.“ Niedrigere Werte deuten auf ein unökonomisches Fütterungsmanagement hin, höhere Werte stehen für den massiven Abbau von Körperreserven und damit für einen instabilen Stoffwechsel.
Das Berechnen der Futtereffizienz ist somit ein wertvolles Kriterium für das Controlling. Es lohnt sich also, die Futteraufnahme der Herde zu ermitteln (Probewiegungen), um eine korrekte und aussagekräftige Berechnung durchführen zu können.
Dr. Katrin Mahlkow-Nerge in „ProteinMarkt“ 12/11, S. 3-7



