17.04.2012 - L-Carnitin: Fruchtbare Sauen und frohwüchsige Ferkel
Das genetische Leistungsvermögen der modernen Zuchtsauen hat sich in den letzen Jahren deutlich erhöht. Steigende Ferkelzahlen, hohe Milchleistung, hohe Absetzgewichte. Diese Leistungen sind nur möglich, wenn sich das Fütterungskonzept entsprechend ändert und an die höheren Leistungen angepasst wird. L-Carnitin als vitaminähnlicher Wirkstoff erlangt hier eine besondere Bedeutung.
L-Carnitin ist besonders im Muskelgewebe von Säugetieren zu finden; pflanzliche Produkte sind eher arm an L-Carnitin. Die Substanz wird in der Leber aufgebaut und ist chemisch gesehen mit den Aminosäuren vergleichbar. Für den Aufbau des L-Carnitins werden die Aminosäuren {Lysin}und {Methionin}benötigt.
L-Carnitin ist im Körper am Energiegewinnungs-Prozess beteiligt und hält den Stoffwechsel in der Balance, wenn sich Entgleisungen anbahnen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn eine Sau energetisch unterversorgt ist. „Sauen mit großen Würfen und mit hoher Einsatzleistung mobilisieren Körperfett, um die benötigte Energie für die Milchproduktion nachzuliefern. L-Carnitin übernimmt entstandene überschüssige und schädliche Stoffwechselprodukte und schleust sie gefahrlos aus der Leber aus.“ Bei steigendem Leistungsvermögen der Sauen scheint die Eigensynthese von L-Carnitin nicht mehr auszureichen, zumal auch die Sauenmilch reich an diesem Stoff ist und dieser so dem Körper entzogen wird. Versuche mit dem Zusatz von 50 mg L-Carnitin/kg Futter – L-Carnitin ist als Futtermittelzusatzstoff für alle Tiere zugelassen – wirkten sich positiv auf die Abferkelergebnisse und die Aufzuchtleistungen von Sauen aus. Es scheint, dass durch den Zusatz zum Futter die im Futter enthaltene Energie besser für das Aufrechterhalten der Trächtigkeit sowie für das Wachstum der Föten genutzt werden kann. „Die mess- und zählbaren Folgen sind gesteigerte Trächtigkeitsraten, vor allem bei Jungsauen, um 5 %, eine erhöhte Wurfgröße um 0,5 Ferkel sowie Zuwachsraten der Saugferkel um 8 %. Ferkel von Sauen, die während der Trächtigkeit Futter mit Zusatz von L-Carnitin erhielten, wuchsen während der Säugezeit schneller und waren beim Absetzen schwerer als Ferkel von Kontrollsauen.“ Am Gesäuge waren sie ausdauernder und nahmen so mehr Milch auf. Die Energie, die die Sauen zur Mehrproduktion von Milch benötigte, konnten sie durch eine höhere Futteraufnahme kompensieren. Sie hatten zum Ende der Laktation ähnlich viel an Gesicht verloren wie die Kontrollsauen und befanden sich in vergleichbarer Kondition. Sauen, die in der Säugezeit L-Carnitin erhielten, hatten im Folgewurf mehr Ferkel. Was die Höhe der L-Carnitin-Ergänzung über das Futter betrifft, sind 50 mg/kg Futter zu empfehlen.
„L-Carnitin steigert die reproduktive Fitness“ von Johannes Hilgers und Prof. Uwe Hühn im Jahresbericht 2011 der EG Rehinland und des Rheinischen Erzeugerringes für Mastschweine

