01.09.2010 - Hygiene beachten - Euterkrankheiten vermeiden
Mastitiserreger sind eine lauernde Gefahr für alle Kuheuter. Dennoch sollte man wissen: Eine keimfreie Haltungsumwelt im Kuhstall gibt es nicht. Besser ist es, im Vorhinein tätig zu werden. Neben einer an die Bedürfnisse der Kühe angepassten Fütterung und Haltung kommt der Hygiene rund um Euter und Melkvorgang eine entscheidende Bedeutung zu.
Mastitiserkrankungen gehen mit rückläufiger Milchbildung einher; die ermolkene Milch muss entsorgt werden, was die Liefermenge reduziert und den Arbeitaufwand erhöht. Daneben muss mehr Geld für die Remontierung ausgegeben werden, ganz abgesehen von den Kosten für Tierarzt und Behandlung. „Unabhängig von der Bestandsgröße konnte eine Belastung von 450 € für jeden Krankheitsfall pro Kuh und Laktationsjahr ermittelt werden.“ Besonders heimtückisch ist die subklinische Mastitis, die, abgesehen von der erhöhten Zellzahl, ohne erkennbare Krankheitsanzeichen abläuft. Wer Mastitis wirksam bekämpfen möchte, beseitigt vorhandene Euterinfektionen, verhindert die Neuinfektion durch Stimulation der natürlichen Abwehrkräfte der Kühe und beugt der Übertragung von Mastitiden von Kuh zu Kuh vor. Zentrum der Vorbeuge ist die Melkhygiene. Wird versucht, das Problem Mastitis ausschließlich über Medikamente zu lösen, ist ein Scheitern vorprogrammiert. Dagegen gilt „die vorbeugende (metaphylaktische) Anwendung von Antibiotika in Form von Trockenstellern als wirksame Maßnahme der Krankheitsvorbeuge und Gesundherhaltung von Milchviehherden.“
Um Infektionsketten zu unterbrechen, werden Melkstand und Euter vor dem Melkvorgang gereinigt; der Melker wechselt seine Kleidung. Zum Reinigen der Zitzen haben sich trockene Einwegpapiertücher bewährt. Alternativ kann für jedes Euter ein widerverwendbares, frisch gewaschenes Tuch eingesetzt werden. Vormelken in den Vormelkbecher mit entsprechender Kontrolle der Milch gehören ebenso zum festen Hygieneplan wie das Melken in fester Reihenfolge: zuerst die gesunden Tiere, dann die fraglichen und zum Schluss die erkrankten Tiere. Der Melkvorgang endet mit der Zitzendesinfektion im Tauchbad. „Das Tauchen gewährleistet, dass ein möglichst großer Anteil der gesamten Zitzenoberfläche behandelt wird und eine gesundheitliche Gefährdung des Melkers durch den Sprühnebel unterbleibt.“ Dippmittel sollten geprüft sein und über eine rückfettende Wirkung verfügen. Meist enthalten sie Glycerin oder Lanolin.
„Vorbeugen ist besser als Heilen“ von Prof. Dr. Klaus Fehlings und Dr. Reglindis Huber-Schlenstedt in BLW 32/2010, S. 49 - 51


