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Diese Funktion steht im Moment nicht zur Verfügung! Wir bittem um Verständnis01.09.2010 - Ernte mit "Zittern und Verlusten"
(Landvolk Niedersachsen) Deutliche Einbußen im Ertrag und bei den Qualitäten meldet der Deutsche Bauernverband für die diesjährige Getreideernte. Abgeschlossen war sie noch nicht, als die Ernte-Pressekonferenz am vergangenen Mittwoch in Berlin stattfand. In Niedersachsen steht insbesondere in den Spätdruschgebieten an der Küste und im Weser- und Leinebergland noch Winterweizen auf dem Halm.
ls „Zitter- und Verlustpartie" aufgrund der Wetterkapriolen bezeichnete Dr. Klaus Kliem, Vorsitzender des DBV-Fachausschusses Getreide, die diesjährige Ernte. Die große Hitze im Juni und Juli bedingte eine frühzeitige Reife, der verregnete August dagegen unterbrach die Ernte immer wieder. „Statt golden schimmernder Weizenfelder gab es einsinkende Mähdrescher und auf dem Halm keimendes Getreide", verdeutlichte Kliem. Die Folgen bekommen die Landwirte bitter zu spüren: Hohe Kosten für die schwierige Ernte und Trocknung und noch größere Einbußen bei den Qualitäten. „Unter dem Strich haben wir deutschen Ackerbauern viel Geld auf den Äckern durch Ertrags- und Qualitätseinbußen verloren", fasste er zusammen.
Die Erntebilanz bezeichnete Kliem als „mager": Auf 43,9 Mio. t schätzt der DBV die gesamte Getreideernte in Deutschland, das sind gegenüber dem Vorjahr 11,8 Prozent weniger. Für Niedersachsen beziffert der Landesbetrieb für Statistik die Getreideernte nach den bis Mitte August vorliegenden Daten auf 5,87 Mio. t. Dieser Wert liegt um 13,2 Prozent unter dem Vorjahreswert, die Erträge erreichen auch das langjährige Mittel nicht.
Zu den einzelnen Kulturen fasste Kliem die wichtigsten Ergebnisse zusammen. Danach fiel die Wintergerstenernte um 15 Prozent geringer aus als im Vorjahr. Bundesweit wurden 8,6 Mio. t (Zahlen in Klammern für Niedersachsen: 1,1) geerntet, wobei die Erträge wie auch die Hektolitergewichte stark schwanken. Der Weizen als wichtigste Getreidekultur dürfte in der Gesamternte eine Menge von 22,7 Mio. t (3,5) erreichen, sie liegt damit um neun Prozent unter dem Vorjahr. In Niedersachsen hat die etwas größere Anbaufläche ein noch deutlicheres Absacken verhindert. Schmachtkorn drückt die Qualität hier ebenso wie die geringeren Hektolitergewichte und auch rapide gesunkenen Fallzahlen. Hier macht sich der Einfluss der Witterung deutlich bemerkbar. Ähnliches gilt für den Roggen, die bundesdeutsche Erntemenge wird auf drei Mio. t geschätzt, davon stammen etwa 600.000 t aus Niedersachsen. Diese Menge fällt nicht nur wegen der Ertragseinbußen, sondern auch wegen der reduzierten Anbaufläche bundesweit um knapp ein Fünftel geringer aus als im Vorjahr.
Auch beim Winterraps wurde das Vorjahresergebnis nicht erreicht, Kliem bezifferte die Gesamternte auf 5,6 Mio. t (520.000 t), das wären zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Die geringere Frühkartoffelernte wurde von höheren Preisen begleitet. Kliem sprach von einem um rund 20 Prozent geringeren Ertrag und Preisen von rund 40 Euro/dt im Juli. Deutlich geringere Erträge bei hohen Kosten für die Beregnung werden auch für die nun anstehende Ernte der Hauptlagersorten erwartet. Der Mais dagegen habe von den Niederschlägen im August profitiert, dennoch sei nicht von einem Biomasseertrag wie in anderen Jahren auszugehen.
Mit Blick auf eine durchschnittliche Gesamtgetreideernte und ausreichende Lagerbestände könne von Versorgungsengpässen bei Getreide keine Rede sein, meinte Kliem mit Blick auf die Diskussion zu Preissteigerungen auf knapp versorgten Märkten. Die Einflüsse der internationalen Märkte, insbesondere die Meldungen über Ernteausfälle in Osteuropa oder die Jahrhundertdürre in Russland, wirkten sich aber gleichwohl aus. Zu den wieder erhobenen Forderungen nach Eindämmung der Spekulation an Agrarmärkten sagte er: „Wir brauchen Warenterminbörsen, wir brauchen aber keine Spekulationsblasen". Als Sicherheit forderte er bei Spekulationsgeschäften mit Agrarprodukten internationale Eigenkapitalanforderungen wie sie bei Warentermingeschäften seit langem üblich seien. Damit wäre die Gewähr dafür gegeben, dass sich Spekulanten „wie ordentliche Kaufleute" verhielten.
Eine sehr differenzierte Betrachtung der Märkte vor Ort empfiehlt das Landvolk Niedersachsen seinen Mitgliedern. Qualitätsengpässe könnten beispielsweise die Mühlen veranlassen, sich noch während der Ernte vor der Haustür einzudecken. Regelmäßige Marktinformationen bietet das Landvolk seinen Mitgliedern über die Kreisverbände mit dem Produktinfo Pflanze an.
An die Adresse der Verbraucher richtete Kliem einen Hinweis, den Wissenschaftler auch an Landwirte ausgegeben haben: Beide müssen sich auf größere Preisschwankungen einstellen. Speziell für Verbraucher fügte Kliem an: Die Zeiten, in denen Dauertiefstpreise Normalität waren, sind vorbei, aber die Bevölkerung werde weiterhin sicher und mit guten Qualitäten versorgt.
red/Br


