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08.02.2012 -  Biogasanlagen: Konkurrenz oder Synergieeffekte für die Veredlungswirtschaft?

(DTC) Wie wirkt sich die Biogasgewinnung aus Gülle und Silomais auf veredlungsstarke Landkreise aus? Zu diesem Thema nahm Prof. Dr. Enno Bahrs, Universität Hohenheim, Fachgebiet Landwirtschaft, kürzlich auf dem Heinsberger Schweinetag in Heinsberg-Oberbruch Stellung. „Im Jahr 2010 wurden in Deutschland auf einer Fläche von gut 2,1 Mio. ha Pflanzen zur Bioenergiegewinnung angebaut; das entspricht einem Sechstel der gesamtdeutschen Ackerfläche. 2011 wurden 2,2 Mio. ha für die Bioenergiegewinnung genutzt“, nannte der Experte Zahlen. Angekurbelt durch den Güllebonus, entstand in den letzten Jahren bei den Biogasanlagen ein regelrechter Bauboom. Hinzu kam, dass bestehende Anlagen nach kurzer Zeit von ursprünglich 150 kW auf 300 oder 500 kW ausgebaut wurden.

Der Flächenbedarf für den für den Betrieb der Anlagen notwendigen Silomais stieg rasant an, ebenso die Pachtpreise. „Das führt zu sozialen Spannungen zwischen Landwirten, die ausschließlich Vieh halten, und solchen, die neben der Viehhaltung eine Biogasanlage betreiben“, wies Prof. Bahrs auf das Konfliktpotenzial hin, das der Biogasgewinnung inneliegt. Besonders wenn die Silomaisernte wie im Jahre 2007 schlecht und damit die Nachfrage groß ist, treten Biogasbetreiber und Landwirte, die auf den Silomais als Futter für ihre Milchviehherden angewiesen sind, in einen massiven Konkurrenzkampf. Aber auch die Veredlungswirtschaft leidet unter der Flächenverknappung. Pachtflächen, auf welchen Schweinehalter Gerste anbauten, gingen oft an Biogasbetriebe, die in der Lage sind, höhere Pachtpreise zu zahlen. Dazu der Referent: „Der Güllebonus bewirkte auch eine direkte Flächen-Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion getreu dem Motto „Besser Silomais als Kartoffeln anbauen“.

Nun soll das EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) von 2012 Abhilfe schaffen. Gleichwohl sehen die politischen Rahmenbedingungen vor, dass erneuerbare Energien in Deutschland gefördert werden. Ziel der Bundesregierung ist es, jährlich 6 Mrd. m³ Biomethan aus Biogasanlagen zu gewinnen. Wie realistisch dieses Ziel ist, stellte der Experte zur Diskussion: „Sicher ist, dass zu den 7100 Anlagen noch weitere 110 Einspeiseanlagen hinzukommen sollen, die sich derzeit im Genehmigungsverfahen oder im Bau befinden. Ob die Bundesregierung ihr gestecktes Ziel erreicht, hängt nicht zuletzt von der Getreidepreisentwicklung und der Einstellung der Bevölkerung zum weiteren Ausbau der Biogasanlagen ab.“ Sinkt der Getreidepreis, steigt der Maisanbau. Allerdings steht die Bevölkerung den zunehmenden Mais-Monokulturen mehr und mehr skeptisch gegenüber. Als weiteres Contra nannte Prof. Bahrs die steigenden Kosten für das Gärsubstrat, welches die Produktion verteuert. „Wenn die Biogasproduktion jedoch langfristig eine kostengünstige Form der Energiegewinnung sein soll, sind Rest- und Abfallstoffe wie beispielsweise Grünschnitt im Vergleich zum Silomais die weitaus ökonomischere Alternative.“ Was die Größe der Biogasanlagen betrifft, so geht der Trend – und auch der politisch gesetzte finanzielle Anreiz – zur Großanlage mit 500 kW und damit auch zum landwirtschaftlichen Großbetrieb. „Volkeswille“ ist jedoch die Stärkung der bäuerlichen Familienbetriebe. Bei allen Vorteilen, die die Biogasgewinnung aufweist, wie Nutzung nachwachsender Rohstoffe, Wertschöpfung in der Region, Erzeugung einer speicherbaren Energieform und Umweltfreundlichkeit, mahnte der Referent, die übrigen Energiealternativen nicht aus den Augen zu verlieren. Seiner Meinung nach werden die noch recht teuren Photovoltaikanlagen in Zukunft deutlich preiswerter und damit stark an Bedeutung gewinnen.