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Nährstofflexikon

Welche Nährstoffe sind für meine Tiere wichtig? Welche Aufgaben haben die Nährstoffe im Körper? Im Nährstofflexikon finden Sie Antworten auf diese und viele weitere Fragen.

Die Begriffe sind verständlich erklärt und alphabetisch geordnet.

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Selen

Selen übernimmt im Stoffwechsel wichtige funktionelle und enzymatische Aufgaben in Form der Seleno-Aminosäuren. Außerdem ist es Bestandteil der Glutathionperoxidase (Redoxsystem). Die physiologische Wirkung von Selen ist eng mit der des Vitamin E  und der schwefelhaltigen Aminosäuren (allen voran das Methionin) verbunden. Selen besitzt eine Vitamin E-sparende Wirkung und verzögert so das Auftreten von Vitamin E-Mangelerscheinungen. Außerdem steht es in Wechselwirkung zu weiteren Spuren- und Mengenelementen. Ein Mangel an Selen kann Wachstumshemmungen und Fruchtbarkeitsstörungen bei Wiederkäuern bedingen. In Verbindung mit einem Vitamin E-Mangel kann es zu einer Muskeldystrophie besonders bei Jungtieren kommen – besser bekannt unter den Begriffen Rückenmuskelnekrose bzw. Maulbeerherzkrankheit. Bei Selenüberversorgung kann es zu Vergiftungserscheinungen mit unterschiedlichen klinischen Bildern kommen. Der Mindestbedarf beträgt für alle Nutztiere etwa 0,1 bis 0,2 mg Selen je kg Alleinfutter oder Gesamtration. Die noch unschädliche Höchstdosis an Selen liegt bei ca. 4 mg je kg Alleinfutter oder Gesamtration. Das Futtermittelrecht legt einen Maximalgehalt von 0,5 mg Selen je kg Alleinfutter oder Gesamtration fest. Der Selengehalt der Futterkomponenten ist recht unterschiedlich. Grüne Kulturpflanzen enthalten für eine bedarfsgerechte Versorgung zu wenig Selen (unter 0,05 mg je kg Trockensubstanz). Auch in Getreide, besonders in Mais, ist sehr wenig Selen enthalten. Mehr Selen ist in Weizen- und Roggenkleie, Nebenprodukten der Maisverarbeitung zur Gewinnung von Stärke und Öl für die menschliche Ernährung und Sojaschrot enthalten. Der Gehalt ist aber auch nicht ausreichend, den Bedarf der Tiere vollständig zu decken. Außerdem ist die Verfügbarkeit aus den einzelnen Futtermitteln sehr unterschiedlich. Daher erfolgt zur Sicherstellung einer bedarfsgerechten Versorgung der Tiere eine Ergänzung des Futters mit Selen aus mineralischer Quelle (Natrium-Selenit), wobei die futtermittelrechtlich geregelten Höchstgehalte unbedingt zu beachten sind.


Stärke

Stärke ist rein chemisch betrachtet ein Polysaccharid und stellt den bedeutendsten pflanzlichen Reservestoff dar. Die Stärke ist für monogastrische Tiere die Hauptenergiequelle im Futter. Stärke kann in zwei Fraktionen unterteilt werden: die geradkettige Amylose (20 bis 50 %, je nach Futtermittel) und das verzweigtkettige Amylopektin (50 bis 80 %, je nach Futtermittel). Beide Fraktionen bestehen aus Glucosebausteinen in alpha-glucosidischer Bindung. Besonders stärkereich ist Getreide (z.B. Weizen, Mais). Die Nebenprodukte aus der Getreideverarbeitung wie Weizenkleie enthalten wenig Stärke.


Strukturwert

Der Strukturwert stellt für die Milchkuhfütterung eine Maßzahl zur Bewertung der physikalischen Struktur der Ration dar. Auf der einen Seite beinhaltet das System des Strukturwertes eine dimensionslose Maßzahl/Relativzahl, die die Wirkung der einzelnen Futtermittel und ihrer Eigenschaften auf die Fermentationsvorgänge im Pansen wiederspiegelt. Auf der anderen Seite bietet das System Bedarfswerte für die Strukturversorgung der Wiederkäuer.

Für die Strukturwirkung der Futtermittel sind Teilchenlänge, spezifisches Gewicht, Mahlwiderstand sowie die Art und Abbaugeschwindigkeit der Kohlenhydrate von entscheidender Bedeutung. Über das System des Strukturwertes wird weiterhin beurteilt, wie die genannten Futtermitteleigenschaften auf den Speichelfluss, das Säureverhältnis in den Vormägen und auf die Schichtung der Futterbestandteile im Pansen wirken.

Die Strukturwerte reichen von 4,30 je kg Trockenmasse (TM) bei Stroh bis zu -0,11 je kg TM bei Weizen.

Die Gesamtration für Milchkühe soll als Zielgröße einen Strukturwert (SW) von mind. 1,00 je kg Trockenmasse enthalten. Von Einfluss auf den einzuhaltenden Mindest-Strukturwert sind Leistungshöhe, Fettgehalt der Milch und die Art der Kraftfuttergabe. Daher ergeben sich die in der folgenden Tabelle nach Milchleistung und Fettgehalt gestaffelt angegebenen erforderlichen Mindest-Strukturwerte (SW) je kg Trockenmasse der Gesamtration*

Milchmenge,
kg je Tag
15253545
3,6 % Fett
4,0 % Fett
4,4 % Fett
4,8 % Fett
0,94
0,92
0,90
0,88
1,04
1,02
1,00
0,98
1,14
1,12
1,10
1,08
1,24
1,22
1,20
1,18
*bei mehr als 5 Kraftfutterportionen je Tag oder TMR reduzieren sich die Anforderungen im SW um 0,1.

Für die praktische Anwendung empfehlen sich Faustzahlen für den kritischen Bereich zu Beginn der Laktation. Bei der üblichen Fütterung über Kraftfutterabrufautomaten oder TMR sollte der SW einen Wert von 1,1 nicht unterschreiten. Darüber hinaus sollte der Kraftfutteranteil in der Gesamtration 60 % der Trockenmasse nicht überschreiten, um eine Unterversorgung mit Grobfutter bei altmelkenden Tieren zu vermeiden und eine zusätzliche Sicherheit in der Rationsgestaltung zu gewährleisten.