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Nährstofflexikon

Welche Nährstoffe sind für meine Tiere wichtig? Welche Aufgaben haben die Nährstoffe im Körper? Im Nährstofflexikon finden Sie Antworten auf diese und viele weitere Fragen.

Die Begriffe sind verständlich erklärt und alphabetisch geordnet.

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Vitamin A

Vitamin A wird auch als „Epithelschutz-Vitamin“ bezeichnet, da es bei Aufbau, Schutz und Regeneration von Haut und Schleimhaut eine wichtige Aufgabe hat. Im Bereich der Fruchtbarkeit verbessert Vitamin A die Ovulation und Implantation der Eier, fördert die embryonale und fetale Entwicklung und hat positiven Einfluß auf die hormonelle Trächtigkeitsaktivierung. Auf Wachstums- und Differenzierungsvorgänge im Zellstoffwechsel nimmt Vitamin A regulierend Einfluß. Die Widerstandskraft gegenüber Infektionskrankheiten wird durch eine gesteigerte Antikörperbildung verbessert. Unter Vitamin A-Mangel kann es zu einer negativen Veränderung der Haut und der Schleimhäute kommen, die Eireifung kann verzögert sein und ein Absterben der Embryonen auftreten. Vitamin A kann in der Leber der Tiere gespeichert werden. Die Speichermöglichkeit ist aber bei Jungtieren durchschnittlich niedriger als bei erwachsenen Tieren, wodurch ein Vitamin-A-Mangel bei Jungtieren wesentlich schneller zu einer Erkrankung führt. Pflanzliche Futtermittel enthalten ß-Carotin, das als Vorstufe in Vitamin A umgewandelt werden kann. Die Effektivität der Umwandlung in Vitamin A ist sehr tierartspezifisch und von der Höhe der Aufnahme abhängig. Vitamin A selbst kommt nur in tierischen Erzeugnissen vor.


Vitamin B1

Vitamin B1 (Thiamin) übernimmt als Coenzym wichtige Funktionen bei den Abbauvorgängen im Kohlenhydratstoffwechsel. Daneben ist es wichtig für die Funktion des Nervengewebes und der Herzmuskulatur sowie für die Aufrechterhaltung der Peristaltik im Magen-Darmtrakt. Unter Vitamin B1-Mangel kann es zu Störungen im Nervensystem sowie dem Herz- und Gefäßgewebe kommen. Die Folgen können sich in Form von Wachstumsdepression, verminderter Futteraufnahme, Herzmuskelschäden bis hin zu Herzversagen äußern. Besonders viel Vitamin B1 ist in Getreide und den Nebenprodukten der Getreideverarbeitung, Ölschroten (z.B. Sojaschrot, Sonnenblumenschrot, Rapsschrot), Bierhefe und Milchprodukten enthalten. Tapioka und Trockenschnitzel sind demgegenüber arm an Vitamin B1. Das in den Futtermitteln vorkommende Vitamin B1 ist von den Tieren gut zu verwerten. Der unterschiedliche Bedarf der verschiedenen Tierarten wird durch eine Ergänzung des entsprechenden Futters mit Vitamin B1 gesichert.


Vitamin B12

Vitamin B12 (Cobalamin) übernimmt im Stoffwechsel verschiedene Aufgaben. Zum einen ist es an der Blutbildung und bei den Wachstumsprozessen beteiligt. Zum anderen dient es zum Aufbau von zwei Coenzymen. Das Coenzym 5-Desoxyadenylcobalamin ist für die intermediäre Glucose- bzw. Lactosebildung beim Wiederkäuer von Bedeutung. Im Methioninstoffwechsel hat das zweite Coenzym (Methylcobalamin) wichtige Funktionen. Bei einem Mangel an Vitamin B12 kann es zu Wachstumsstörungen, schlechter Futterverwertung, Anämie, krankhafte Veränderungen des Blutbildes und Hautentzündungen kommen. Beim Geflügel können auch eine verminderte Brutfähigkeit der Eier und eine erhöhte Embryonensterblichkeit die Folge sein. In Pflanzen wird kein Vitamin B12 gebildet, wohingegen der Gehalt in Magermilchpulver hoch ist. Bei ausreichendem Gehalt an Kobalt im Futter werden beim Wiederkäuer von den Pansenmikroben sicher bedarfsdeckende Mengen dieses Vitamins gebildet. Vitamin B12 aus diesen Quellen kann vom Tier gut verwertet werden. Das Futter wird je nach Bedarf der jeweiligen Tierart mit entsprechenden Mengen an Vitamin B12 ergänzt.


Vitamin B2

Vitamin B2 (Riboflavin) übernimmt als Bestandteil der Coenzyme FMN und FAD Aufgaben im Energiestoffwechsel der Körperzellen. So ist es an der Übertragung von Wasserstoff in der Atmungskette und in den Oxidations- und Reduktionsprozessen zum Auf- und Abbau von Fettsäuren und Aminosäuren beteiligt. Bei einem Vitamin B2<-Mangel kann es zu entzündlichen Hautveränderungen, Wachstumsdepressionen, neurologischen Störungen, einer verschlechterten Schlupfrate beim Geflügel und einer geringen Wurfgröße bei Sauen kommen. Besonders hohe Vitamin B2-Konzentrationen findet man in Milchprodukten wie Magermilch- und Molkenpulver sowie in der Bierhefe. Pflanzliche Futtermittel, insbesondere Getreide und Tapioka, enthalten nur sehr wenig Vitamin B2. Außerdem ist das natürlich vorkommende Vitamin B2 zum Teil nur beschränkt vom Tier zu verwerten. Daher hat die Ergänzung des Futters mit Vitamin B2 zur Sicherstellung der bedarfsgerechten Versorgung der Tiere entsprechend große Bedeutung.


Vitamin B6

Vitamin B6 (Pyridoxin) ist Bestandteil des Coenzyms Pyridoxal-5-phosphat und darüber am Aminosäuren- und Kohlenhydratstoffwechsel im Körper beteiligt. Bei einem Vitamin B6-Mangel kann es zu Wachstumsverzögerung, Veränderung des Blutbildes, Hautentzündung sowie mangelhaften Brut- und Schlupfergebnissen beim Geflügel kommen. Pflanzliche Futtermittel wie Getreide und Nebenprodukte der Getreideverarbeitung (z.B. Weizenkleie), Ölschrote (z.B. Sojaschrot, Sonnenblumenschrot) und Bierhefe enthalten viel Vitamin B6. Das Vitamin B6 aus diesen Quellen ist vom Tier aber nur zum Teil zu verwerten. Die Sicherstellung der Versorgung der Tiere erfolgt daher über eine dem Bedarf entsprechende Ergänzung des Futters.


Vitamin C

Fast alle Tiere, mit Ausnahmen der Primaten (auch der Mensch), Meerschweinchen und Reh, können das Vitamin C aus Glucose selbst synthetisieren, da sie die hierzu notwendigen Enzyme besitzen (bei Säugetieren in der Leber, bei Vögel in der Niere). Vitamin C ist für die Bildung und den Stoffwechsel des Bindegewebes von großer Bedeutung. Es ist außerdem an der Bildung einzelner Hormone und der Zellatmung beteiligt. Darüber hat Vitamin C Einfluß auf die Spermaqualität und die Follikelreifung und damit Bedeutung für die Fruchtbarkeit. Daneben hat Vitamin C positiv Einfluß auf die Antikörperbildung und die unspezifische Immunität bei Jungtieren. Bei fast allen Tieren kann es nicht zu einem echten Vitamin-C-Mangel kommen. Dies bedeutet jedoch nicht, daß eine Vitamin-C-Zufuhr im Organismus des Tieres keine positiven Auswirkungen hat. Da die Speicherfähigkeit des Vitamins C in der Leber (Säugetiere) oder in der Niere (Vögel) nur sehr gering ist, kann es in sogenannten Streßsituationen (Erkrankung, Transport, usw.) dazu kommen, daß die Eigensynthese des Organismus zur Erstellung von ausreichend Vitamin C nicht mehr ausreicht. In diesen Situationen können Symptome wie geringe Immunreaktion, verschlechterte Fruchtbarkeit, verzögertes Wachstum und verminderte Eischalenqualität (Hitzestreß) beim Geflügel auftreten. Vitamin C kommt nur in wenigen Futtermitteln natürlich vor und wird bei der Lagerung schnell abgebaut. Insbesondere in Futtersorten für Jungtiere wird eine gezielte Ergänzung mit Vitamin C vorgenommen.


Vitamin D

Bei den D-Vitaminen gibt es die beiden Formen Vitamin D3 (Cholecalciferol) und Vitamin D2 (Ergocalciferol). Beide D-Vitamine übernehmen im Stoffwechsel eine Vielzahl wichtiger Aufgaben. So sind sie entscheidend an der Regulierung des Calcium- und Phosphorstoffwechsels, insbesondere der Absorption aus dem Darm, Einlagerung in die Knochen und Ausscheidung über die Niere, beteiligt. Auch die Mobilisierung dieser beiden Mineralstoffe aus dem Skelett wird durch Vitamin D gesteuert. Daneben fördern die D-Vitamine die Keimzellenbildung und steigern die Leistungsfähigkeit des Immunsystems. Bei einem Vitamin D-Mangel ist der gesamte Calcium- und Phosphorstoffwechsel gestört, die Mineralisierung wachsender Knochen ist verringert (Rachitis), im ausgewachsenen Knochen werden Mineralstoffe abgebaut (Osteomalazie), es treten Knochen- und Gelenkdeformationen (Knochenweiche), Knochenbrüche und Wachstumsstörungen auf. Beim Geflügel ist die Eischalenstabilität deutlich verschlechtert. Vitamin D findet man als D3 (Cholecalciferol) in Vollmilch und Leberölen sowie als D2 (Ergocalciferol) in sonnengetrocknetem Grünfutter. Bezüglich ihrer antirachitischen Wirkung sind das Vitamin D2 und das Vitamin D3 bei Säugetieren fast gleichwertig. Bei der Verfütterung an Geflügel hat sich jedoch gezeigt, daß das Vitamin D3 gegenüber dem Vitamin D2 eine etwa 30-fach stärkere Wirkung aufweist. Aus diesem Grund wird bei der bedarfsgerechten Ergänzung des Futters das Vitamin D3 verwendet. Auch die Speicherfähigkeit in der Leber ist beim Vitamin D3 in größerem Umfang möglich. Die natürlichen Vitamin D-Quellen sind aufgrund ihres begrenzten Umfanges ohne Bedeutung für die Bedarfsdeckung. Auch die Verwertung der in den Pflanzen vorhandenen Vitamin D-Vorstufen ist beim Tier nur sehr gering.


Vitamin E

Vitamin E ist der Sammelbegriff für verschiedene Tocopherol- und Tocotrienolverbindungen. Die wirksamste Verbindung stellt das Alpha-Tocopherol dar, welches in den chlorophyllhaltigen Pflanzenzellen in relativ hohen Konzentrationen vorkommt. Alle anderen Tocopherol-Verbindungen weisen nur eine etwa 20- bis 1-prozentige Wirkung gegenüber dem Alpha-Tocopherol auf. Vitamin E zeichnet sich vor allem durch seine antioxidative Wirkung aus. Dadurch werden oxidationsempfindliche Phospholipide in den Zellmembranen, Vitamin A und Carotinoide geschützt. Zwischen Vitamin E und Selen besteht dabei eine enge Beziehung. Außerdem reguliert Vitamin E den Hormonstoffwechsel, sichert die Stabilität der Membranen in der Herz- und Skelettmuskulatur und stimuliert die Antikörperbildung (bessere Resistenz gegenüber Krankheiten). Bei Vitamin E-Mangel können verschiedenste Mangelsymptome auftreten: Schäden an Herz- und Skelettmuskulatur (Dystrophie, Myopathie), die sogenannte „Maulbeer-Herzkrankheit„ durch eine Herzmuskelschädigung und infolgedessen plötzlicher Herztod, Fruchtbarkeitsstörungen, Veränderungen im Gefäß- und Nervensystem sowie eine verminderte Schlupfrate beim Geflügel. Gras, Klee, Luzerne, Grünmehl und unzerkleinerte Samen enthalten viel Vitamin E. Extraktionsschrote sind demgegenüber arm an Vitamin E. In Getreide und Nebenprodukten der Getreideverarbeitung (z.B. Weizenkleie) sind vor allem die Tocopherole mit geringer biologischer Wirksamkeit enthalten. Die für eine bedarfsgerechte Versorgung der Tiere mit Vitamin E notwendige Ergänzung des Futters erfolgt ausschließlich über die hochwirksame Vitamin E-Verbindung „Alpha-Tocopherol„.


Vitamin K

Vitamin K ist Sammelbegriff für die Vitamine K1 (Phyllochinon), K2 (Menachinon) und K3 (Menadion). Vitamin K ist an der Mineralisierung der Knochen über die Bildung des Calcium-Transportproteins Osteocalcin beteiligt und für die Synthese verschiedener Blutgerinnungsfaktoren (Prothrombrin) verantwortlich. Bei Vitamin K-Mangel kann es zur Störung der Blutgerinnung, Blutungen in verschiedenen Geweben und Organen sowie Wachstumsstörungen kommen. Vitamin K1 ist vor allem in Grünpflanzen enthalten. Getreide und Rüben sind demgegenüber arm an Vitamin K1. Vitamin K2 wird mikrobiell durch Bakterien in den Vormägen der Wiederkäuer und im Dickdarm gebildet. Vitamin K3 ist eine industriell hergestellte Form. Alle Vitamin K-Formen werden im Stoffwechsel in das besonders aktive Menachinon-4 umgewandelt. Die bedarfsgerechte Ergänzung des Futters mit Vitamin K erfolgt über die K3-Form.


Vitamine

Die Vitamine werden unterteilt in die fettlöslichen Vitamine wie Vitamin A, ß-Carotin, Vitamin D3, Vitamin E, Vitamin K und die wasserlöslichen Vitamine wie Vitamin B1, Vitamin B2, Vitamin B6, Vitamin B12, Biotin, Folsäure, Niacin, Pantothensäure, Vitamin C und Cholin. Vitamine sind organische Substanzen, die für den normalen Ablauf der Lebensvorgänge im Organismus unentbehrlich sind und Gesundheit sowie Leistungsfähigkeit aufrechterhalten. Vitamine können im allgemeinen vom Organismus nicht selbst synthetisiert werden und müssen daher mit der Nahrung zugeführt werden. Die fettlöslichen Vitamine haben vor allem spezifische Funktionen in der Ausbildung und Aufrechterhaltung der Gewebestrukturen. Die wasserlöslichen Vitamine sind an katalytischen oder steuernden Prozessen im Stoffwechsel beteiligt. Darüberhinaus gibt es einzelne Stoffe, die einen Vitamincharakter besitzen. Hier ist Taurin für die Ernährung der Katzen zu nennen. Die tägliche Nahrung unserer Tiere muß für die Sicherung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit gezielt mit Vitaminen ergänzt werden. Die für die Nahrungsergänzung wichtigen Vitamine werden heute auf drei Wegen gewonnen: durch eine chemische Synthese, durch Fermentation bzw. durch Isolierung aus z.B. pflanzlichem Material. Die in der Tierernährung verwendeten Vitamine werden praktisch ausschließlich nach den beiden ersten Verfahren hergestellt, wobei die chemische Synthese den größten Anteil ausmacht. Das Fermentationsverfahren gewinnt aber zunehmend an Bedeutung. Auf diesem Wege werden heute die Vitamine B2, B12 und C gewonnen. Bei diesem Verfahren werden geeignete Mikroorganismen selektiert, die das gewünschte Vitamin produzieren können. Das Vitamin wird dann aus dem Fermentationsansatz separiert und gereinigt. Die über Fermentation bzw. chemische Analyse gewonnenen Vitamine sind mit den in der Natur vorkommenden Vitaminen vollkommen identisch und haben die gleiche, in vielen Fällen sogar eine bessere biologische Wertigkeit.